Bensheim. Bei ihrer Mitgliederversammlung am Freitag, 30. Oktober, haben die Bensheimer Grünen einen neuen Vorstand gewählt und über die Zukunft der Innenstadt diskutiert. Unter der Leitfrage „Innenstadt als Lebensraum – wie kann das gelingen?“ tauschten sich die Mitglieder auch mit dem neu gewählten Bürgermeister Harry Hegenbarth über konkrete Verbesserungsmöglichkeiten aus.
Neuer Vorstand mit Blick nach vorne
Nach der Begrüßung durch Christine Pfeifer und dem Vorstandsbericht von Michael Krapp standen die Neuwahlen an. Christine Palten, Tim Fitz, Christine Pfeifer, Michael Krapp und Karoline Mehling-Großenbach wurden für weitere zwei Jahre bestätigt. Neu im Vorstand ist Cornelia Korinth, die auf Markus Pfefferkorn folgt.
Markus Pfefferkorn trat nicht erneut an. Er wurde, ebenso wie Doris Sterzelmaier mit Blumen und persönlichen Dankesworten von Karoline Mehling-Großenbach verabschiedet. Sterzelmaier nahm in der letzten Amtszeit die Rolle eines Bindeglieds zwischen Fraktion und Vorstand ein. Diese Aufgabe entfällt, da inzwischen drei Vorstandsmitglieder auch der Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung angehören. Doris Sterzelmaier bleibt dort als Fraktionsvorsitzende politisch aktiv.
Der neue Vorstand will die Grünen weiter in der Stadtgesellschaft verankern, nah an den Menschen bleiben und auch aus der Opposition heraus konkrete Verbesserungen anstoßen.
Deshalb stand im zweiten Teil der Versammlung die Zukunft der Bensheimer Innenstadt im Mittelpunkt.
Mehr Grün und Schatten für eine klimaresiliente Innenstadt
Tim Fitz, Vorstands- und Fraktionsmitglied, erläuterte den Handlungsbedarf bei der klimagerechten Stadtentwicklung. Der heiße Sommer habe erneut gezeigt, wie gering die Aufenthaltsqualität in Teilen der Innenstadt bei hohen Temperaturen sei. Das habe Folgen für die Lebensqualität und das örtliche Gewerbe.
Die Stadtklimaanalyse bescheinigt Bensheim dringenden Handlungsbedarf. Eine Anfrage der Grünen zur Begrünung der Innenstadt brachte vom Magistrat jedoch keine konkrete Antwort. Fitz bemängelte das Fehlen eines klaren Zeitplans und eines nachvollziehbaren Gesamtkonzeptes. „Auch für den Beauner Platz bleibt offen, was gegen eine Entsiegelung spricht. Begrünung und Entsiegelung von Flächen hat bislang offenbar keine hohe Priorität.“
Die Grünen wollen deshalb ein konkretes Grünkonzept für die Innenstadt, insbesondere für den Beauner Platz, voranbringen. Auch Fördermittel zur Begrünung und eine Teilnahme am Projekt „Abpflastern“ sollen geprüft werden.
Die Klimaanpassung sei in den vergangenen Jahren zu wenig konsequent angegangen worden. Umso wichtiger sei es, jetzt ins Handeln zu kommen. Die Grünen sehen beim neuen Bürgermeister eine gute Grundlage für Fortschritte: Harry Hegenbarth erkenne den dringenden Handlungsbedarf und sei offen dafür, das Thema stärker voranzutreiben. So könnten auch mit kleineren, konkreten Maßnahmen Verbesserungen erreicht werden.
Stadtgestaltung braucht Transparenz und Beteiligung
Christine Palten thematisierte die Entscheidungsprozesse bei der Innenstadtgestaltung. Am Beispiel des Marktplatzes und des Graffitis am Parktheater wurde deutlich, dass die Entscheidungswege für viele schwer nachvollziehbar sind.
Bei der Bewerbung um das Landesförderprogramm „Zukunft Innenstadt“ habe der enge Zeitrahmen eine vertiefte politische Diskussion zumindest eingeschränkt. Die Grünen wünschen sich deshalb ein übergeordnetes Innenstadt-Konzept, transparente Entscheidungen und frühzeitige Bürgerbeteiligung.
Ein möglicher Ansatz ist ein sogenanntes Reallabor: Dabei werden Ideen zur Gestaltung von Plätzen zunächst zeitlich begrenzt erprobt. Gemeinsam mit Bevölkerung, Handel und Gastronomie lässt sich so herausfinden, welche Lösungen tatsächlich funktionieren. Auch für solche Erprobungen gebe es Fördermittel. Palten hob hervor, dass eine Beteiligung der Bürgerschaft zu passenderen Lösungen und mehr Wertschätzung führen. Letztlich würden damit Gelder besser genutzt und das Scheitern von Projekten verhindert, wie das beim Urban Gardening am Parktheater oder bei der Bühne am Hostinné-Platz geschehen sei.
Leerstände beleben und neue Möglichkeiten schaffen
Michael Krapp betonte, dass eine lebendige Innenstadt mehr brauche als Geschäfte und Gastronomie. Auch Wohnen, Arbeitsplätze, Kultur und Begegnungsorte seien entscheidend. Leerstehende Geschäftsflächen im Krämer-Areal sowie ungenutzte Wohnflächen, etwa in oberen Etagen der Fußgängerzone oder im Umfeld des Heilig-Geist-Hospitals, böten Potenzial.
Die Diskussion griff auch Artikel 14 des Grundgesetzes auf: „Eigentum verpflichtet.“ Krapps Frage danach, wie sich Eigentum und Gemeinwohl in Bensheim miteinander in Einklang bringen lassen, führte zu einem regen Austausch. Die Grünen setzen auf ein aktives Leerstandsmanagement, bei dem Eigentümer angesprochen und gemeinsam Lösungen entwickelt werden. Das neue hessisches Leerstandsgesetz könnte zusätzliche Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Einen Vorschlag dazu soll der Magistrat bis Dezember 2026 vorlegen, nachdem die Grünen bereits im vergangenen Jahr einen entsprechenden Antrag im Stadtparlament gestellt hatten.
Die Grünen wollen bei der Weiterentwicklung der Innenstadt endlich vorankommen. Klimaanpassung, transparente Planung und die Nutzung bestehender Flächen gehören dabei zusammen. Sie hoffen, gemeinsam mit dem neuen Bürgermeister konkrete Fortschritte zu erreichen.
„Loslegen!“, das war die zentrale Botschaft der Versammlung. Dabei will die Partei notwendige Maßnahmen auch aus der Opposition heraus vorantreiben und setzt auf einen konstruktiven Austausch mit Bürgermeister und Stadtgesellschaft.