GLB-Sommerprogramm startete mit Rundgang im Märkerwald

Die Fraktion der Grünen Liste Bensheim (GLB) und Stadtrat Adil Oyan begannen ihr Sommerprogramm mit einem Rundgang im Märkerwald mit Revierförster Dirk Ruis-Eckhardt und Forstanwärterin Sophie Hartmann. Zahlreiche Interessierte hatten sich am Parkplatz Märkerwald eingefunden.

1520 ha Wald liegen auf Bensheimer Gemarkung und werden überwiegend von der hiesigen Revierförsterei betreut, 900 ha gehören der Stadt, der Rest ist Staats- bzw. Privatwald.

Der Kommunalwald ist derzeit nach PEFC zertifiziert, der Staatswald nach FSC und trägt somit eine Art Bio-Siegel für den Wald, das etwas höhere Anforderungen als PEFC stellt. „Diese Waldbewirtschaftung streben wir Grüne auch für den Stadtwald an und unterstützen damit die Grüne Umwelt-Ministerin Priska Hinz, die dies für das Land Hessen als Ziel vorgegeben hat“, sagt GLB Fraktionsvorsitzende Doris Sterzelmaier und weiter „es ist sicher sinnvoll und effektiv, wenn es keine Unterschiede mehr in der Bewirtschaftung gibt und alles nach FSC zertifiziert wird.“

Dirk Ruis-Eckhardt legt großen Wert auf naturnahen Waldbau. Großer Artenreichtum – z.B. Eichen, Buchen, Erlen, Lärchen, Eschen, Kirschen, Fichten und Douglasien – eine Vielfalt von Lebensräumen, eine natürliche Altersstruktur und eine hohe Widerstandskraft bei wechselnden Umweltbedingungen sind nur einige der Kennzeichen, die diese Wälder prägen. Drei Bäume pro Hektar werden als sogenannte „Habitatbäume“ von der Nutzung ausgenommen und sind Heimat von Insekten, Vögeln und Kleintieren.

Hochinteressant war auch ein sogenanntes „Weisergatter“, eine eingezäunte Fläche von ungefähr 100 Quadratmetern. Durch den Schutz vor Wildverbiss entwickelt sich eine unglaubliche Artenvielfalt. Die Teilnehmer bekamen eindrucksvoll vor Augen geführt, wie sehr der Wildbestand die Entwicklung des Waldes beeinflusst und warum es im Interesse der Waldbewirtschaftung und –ökologie liegt, den Bestand insbesondere von Rehwild zu begrenzen.

Ausführlich diskutiert wurden die Auswirkungen des Klimawandels. Für unsere Region geht man davon aus, dass die Sommer wärmer werden. Damit einhergehen wird eine drastische Zunahme der „heißen Tage“ mit Temperaturen über 30 Grad, die Winter werden noch feuchter als heute. Sophie Hartmann präsentierte eindrucksvolle Diagramme, aus denen sich ablesen lässt, welche Bäume hier in Hessen gut mit dem Klimawandel zurechtkommen werden z.B. Buchen und Douglasien und welche sehr unter diesen klimatischen Veränderungen leiden werden z.B. die Fichten.

Differenziert betrachtet werden muss das Thema „Naturwald“. Insgesamt 9ha am Felsberg und im Niederwald wurden auf Initiative der GLB schon vor Jahren aus der Bewirtschaftung genommen, neu dazu kommt jetzt das Pappel-Erlenwäldchen an der Erlache mit ungefähr 8ha. Förster Ruis-Eckhardt wies darauf hin, dass es problematisch für die Artenvielfalt sein kann, wenn keine Eingriffe mehr erfolgen, beispielsweise würden in unserer Region Buchen die Eichen verdrängen, obwohl letztere deutlich bessere Bedingungen für Insekten bieten. Auch die Kulturlandschaft am Hemsberg mit ihren Orchideenbeständen sei ohne menschliche Eingriffe nicht denkbar. Für Ruis-Eckhard ist in vielen Fällen ein naturnaher Waldbau die ökologisch bessere Alternative.

Zum Schluss ging es noch um die Holzvermarktung. Die rechtlichen Rahmenbedingungen ändern sich aktuell, als Folge davon wird HessenForst zukünftig nicht mehr das Holz aus kommunalen und privaten Wäldern über 100 Hektar Größe vermarkten. Derzeit ist hessenweit eine Vermarktung über sechs neue Holzkontore angedacht. Wie dieses im Detail aussehen soll ist noch unklar, organisatorisch wird es aber sicherlich nicht einfacher werden.

Am Ende gab es viel Beifall für Förster Ruis-Eckhardt und Forstanwärterin Hartmann für einen höchst informativen Abendspaziergang.

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