Grüne informieren sich in der Wilhelmstraße über Integration von Flüchtlingen

„Persönlicher Kontakt und individuelle Betreuung durch Ehrenamtliche sorgt für die schnellste Integration der Geflüchteten“, erklärt der zuständige Diplom-Sozialarbeiter Alexander Sonnabend von der Flüchtlingsunterkunft in der Wilhelmstraße. Die Grüne Liste Bensheim (GLB) besuchte im Rahmen ihres Sommerprogramms die Unterkunft und erfuhr die überzeugte Antwort auf die Frage, wie man noch helfen könne: „Möglichst viele Bürgerinnen und Bürger zu ehrenamtlicher Hilfe zu motivieren.“

Zu dem Gespräch kam auch Kreisbeigeordneter Karsten Krug, zuständig für die Unterbringung der Geflüchteten im Kreis Bergstraße. Jener erklärte, dass zwar immer mehr Geflüchtete anerkannt werden, aber keine preisgünstige Wohnung fänden. Dies sei ein überregionales Problem und mit den Wohnungsbaugenossenschaften und den Bürgermeistern im Kreis liefen hierzu Gespräche, um eine Lösung zu finden. Ausdrücklich lobte er die Stadt Bensheim an dieser Stelle. An vielen Stellen in Bensheim würde neuer Wohnraum entstehen und die Stadtregierung denke bei den Beschlüssen auch an den Sozialen Wohnungsbau.

Die Bereitstellung von Grundstücken sei oft das Problem. Fördergelder des Landes und auch Haushaltsmittel in Bensheim seien ausreichend zur Verfügung gestellt worden. Der Abruf der Landesmittel läuft jedoch nicht wie erwartet. Jetzt sollen die Bedingungen evaluiert werden mit dem Ziel, dass die Kommunen das Programm stärker nutzen.

Das Programm „At First – Ankommen im Kreis Bergstraße“ wurde in der Wilhelmstraße genutzt und sehr positiv beurteilt. Bei dem Projekt von Diakonie, Haus am Maiberg und dem Kreis Bergstraße geht es um neuankommende Geflüchtete bis 27 Jahren. Es werden Infos über das zukünftige Leben in Deutschland vermittelt, Missverständnissen, Enttäuschungen oder Entmutigungen soll entgegengesteuert werden, mit Methoden der Politischen Bildung sollen die Meinungsbildung der Teilnehmenden unterstützt und Handlungsoptionen erarbeitet werden. Als gut wurde auch bewertet, dass die Flüchtlinge nicht in die Nachbarstadt fahren mussten, sondern die Institution mit ihren Fachleuten in die Unterkunft nach Bensheim kam.

Mobilität war ein Punkt, der die Grünen besonders interessierte. Die schulpflichtigen Kinder bekommen ein Maxx-Ticket, aber, wer älter ist, muss alle Fahrkarten selbst bezahlen.

Herr Sonnabend berichtete, dass die Integration der Füchtlinge gut voran komme, manche Anfangsschwierigkeiten, wie bei der Mülltrennung und den Ruhezeiten in Deutschland, wurden größtenteils erfolgreich vermittelt. Die Kulturen sind unterschiedlich und es braucht Geduld, bis alle sich in die für sie neue, deutsche Gesellschaft eingelebt haben. „Stellen Sie sich vor, Sie stehen als Deutscher morgen in Syrien und sollen sich richtig verhalten. Sie wissen aber gar nicht, was richtig und was falsch ist“, so sein Beispiel.

Auf dem Außengelände wurden von den Flüchtlingen kleine Gärtchen angelegt, die in deren Betreuung liegen und für die sie die Verantwortung übernehmen.

In der Wilhelmstraße gibt es zusätzlich zu den Wohnungen auch einen Gemeinschaftsraum. Dieser wird für Sprachkurse und Hausaufgabenbetreuung genutzt. Auch die monatlichen Bewohnerversammlungen finden dort statt. Im Anschluss kommen die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer dazu.

Die Flüchtlinge wünschen sich noch mehr Kontakt zu den Einheimischen, denn wenn sie deutsch sprechen müssen, lernen sie es am schnellsten. Über die Sportvereine gibt es schon gute Kontakte, die man sich für andere Bereiche auch wünscht. „Wir freuen uns, dass wir in Bensheim so ein großes Engagement von Ehrenamtlichen haben und koordinieren und unterstützen von städtischer Seite, wo immer es möglich ist“, sagt Stadtrat Adil Oyan (Grüne), zuständig für den Bereich Integration und Flüchtlinge, und ergänzte, dass man diesen für ihre wichtige Arbeit für die Gesamtgesellschaft nicht genug danken könne.

Peter E. Kalb, ehrenamtlicher Stadtrat der Grünen in Bensheim, macht auf ein mögliches Problem aufmerksam: „Je mehr Asylbewerber anerkannt werden, desto enger wird die Situation bei der dann zuständigen Einrichtung Neue Wege. Wer kümmert sich um die Familien, um die häufig problematischen Lebenssituationen der Geflüchteten, um die Beschulung der Kinder und so weiter?“ Die Grünen erfuhren von Karsten Krug auch, dass es im Kreis zwei neue Bildungskoordinatoren für die Flüchtlinge gebe und sich die Behörde Neue Wege auf auf die zunehmende Zahl von arbeits- und wohnungssuchenden Flüchtlingen vorbereitet.

Am Ende des Besuches überreichten die Grünen weitere Kinderbilderbücher für den Bücherschrank im Gemeinschaftsraum, die aus einer Spendenaktion stammen und sogleich von den anwesenden Kindern in Beschlag genommen wurden.

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