Die Kommunalwahl 2026 hat ein klares Signal gesendet: Viele Bensheimerinnen und Bensheimer wünschen sich neue Ideen, neue Konzepte und einen anderen politischen Stil für unsere Stadt. Mit über 21 Prozent der Stimmen und zehn Sitzen sind die Grünen erneut mit großem Abstand zweitstärkste Kraft in der Stadtverordnetenversammlung geworden. Nur die CDU verfügt mit 16 Sitzen über mehr Mandate.
„Wir verstehen dieses Ergebnis als klaren Auftrag der Wählerinnen und Wähler für neue Ideen und Lösungen bestehender Probleme in unserer Stadt“, erklärt Fraktionsvorsitzende und Mitglied der Sondierungsgruppe Doris Sterzelmaier. „Nach fünf Jahren einer Koalition aus CDU, SPD und FDP war für viele Menschen erkennbar, dass neue Impulse notwendig sind. Die Wahl hat die Chance eröffnet, politische Verantwortung neu zu denken und neue Wege für Bensheim zu prüfen.“
Das Resultat dieser Wahl bietet die Chance für neue politische Konstellationen. Die Grünen haben mit der CDU Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit geführt, mit zusammen 26 Sitze in der Stadtverordnetenversammlung hätten beide eine satte Mehrheit. Die Gespräche verliefen respektvoll und in angenehmer Atmosphäre. Dennoch hat die CDU die Sondierungen nach zwei Gesprächsrunden beendet.
„Wir haben in vielen Bereichen durchaus Gemeinsamkeiten und Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit gesehen, gleichzeitig gab es Themen, bei dem ein Zusammenkommen schwierig wurde“, sagt Michael Krapp, Vorstands-, Fraktionsmitglied und Teil des Sondierungsteams. Die CDU hat anders entschieden und es zeichnet sich jetzt ab, dass CDU und SPD ihre bisherige Zusammenarbeit fortsetzen und die FDP durch die Freien Wähler als Koalitionspartner ersetzen wollen, um erneut eine labile Mehrheit zu organisieren. Wir erinnern daran, dass die alte Koalition keine eigene Mehrheit für ihren Haushalt sicherstellen konnte.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen Grünen und CDU zeigte sich bei der Frage des Flächenverbrauchs und der zukünftigen Stadtentwicklung und hier insbesondere beim geplanten interkommunalen Gewerbegebiet Stubenwald III.
„Wir haben bereits vor der Wahl klar gesagt, dass es eine Zustimmung unserer Fraktion zu Stubenwald III nicht geben wird. Daran hat sich nichts geändert“, betont Doris Sterzelmaier.
Aus Sicht der Grünen ist das Projekt sowohl wirtschaftlich als auch klimapolitisch und für eine kluge Siedlungsentwicklung der falsche Weg. Zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen sind keineswegs garantiert. Dies mussten wir 2024 trotz der Gewerbegebiete Stubenwald I und Stubenwald II schmerzlich erfahren. Die Investitionen bedeuten zunächst erhebliche Kosten für die Stadt, bindet finanzielle Spielräume langfristig, ohne gesicherte wirtschaftliche Vorteile zu garantieren.
„Dass zusätzliche Gewerbeflächen automatisch zu höheren Gewerbesteuereinnahmen führen, würden man im Golf als ,Hit and Hope‘ bezeichnen“, sagt Tim Fitz, Vorstands- und Fraktionsmitglied. „Wir sind überzeugt, dass es modernere Wege gibt, die wirtschaftliche Zukunft Bensheims zu stärken.“
Besonders widersprüchlich erscheint den Grünen dabei, dass die CDU in ihrem Wahlprogramm selbst für „Gründächer und weniger Flächenversiegelung“ eintritt, gleichzeitig aber ein Gewerbegebiet mit 21 Hektar neuer Versiegelung vorantreibt. „In Zeiten zunehmender Hitzeperioden und Extremwetterereignisse können wir es uns nicht leisten, weitere Naturflächen zu opfern. Der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen und der Erhalt der Lebensqualität für die Menschen in Bensheim müssen Vorrang haben“, erklärt Birgit Rinke, Mitglied des Sondierungsteams.
Die Grünen sehen zudem alternative Möglichkeiten, zusätzliche Einnahmen für die Stadt zu generieren. Statt immer neue Großflächen zu versiegeln, könnten beispielsweise Windkraftanlagen mit Bürgerbeteiligung langfristig Pacht- und Gewerbesteuereinnahmen schaffen, die Energiekosten stabilisieren und Bürgerinnen und Bürger direkt an der Wertschöpfung beteiligen.
Gleichzeitig betonen die Grünen, dass sie in den Gesprächen Bereitschaft signalisiert hätten, das Thema Stubenwald III aus einer möglichen Koalitionsvereinbarung für beide Parteien auszuklammern, um bei anderen wichtigen Zukunftsfragen gemeinsame Projekte auf den Weg bringen zu können. Auch dieser Vorschlag habe letztlich keine Annäherung ermöglicht.
Aus den Erfahrungen der Sondierungsgespräche leiten die Grünen deshalb eine grundsätzliche politische Frage für die kommende Legislaturperiode ab: Warum an starren Koalitionsvereinbarungen festhalten, wenn dadurch Blockadehaltungen entstehen und nicht die besseren Argumente entscheiden?
„Wir sehen zunehmend die Chancen wechselnder Mehrheiten“, erklärt Markus Pfefferkorn, Vorstandsmitglied. „Jede Fraktion kann ihre Vorstellungen einbringen, Themen offen debattieren und Verantwortung übernehmen. Nicht Koalitionszwänge, sondern die Qualität der Argumente sollte darüber entscheiden, welche Lösungen für Bensheim umgesetzt werden.“
Für die Grünen bedeutet dies einen Schritt gemeinsam aufeinander zuzugehen und im Sinne eines lebendigen demokratischen Wettbewerbs offen für neue Ideen zu sein und nicht koalitionspolitisch, sondern sach- und lösungsorientiert zu entscheiden.
Die Grünen kündigen an, ihre Rolle als zweitstärkste Gruppe in der neuen Legislaturperiode weiterhin konstruktiv wahrzunehmen, eigene Vorschläge für eine nachhaltige, wirtschaftlich starke und lebenswerte Entwicklung Bensheims einzubringen und als wachsame Opposition die Arbeit der Koalition zu kontrollieren. Dabei werden wir unsere politischen Alternativen aufzeigen und dafür werben. Guten Vorschlägen werden wir uns nicht verschließen.
Ihr Anspruch bleibt dabei unverändert: Nicht parteipolitische Interessen, sondern das Wohl der Stadt muss im Mittelpunkt stehen. Mögen am Ende die besseren Argumente gewinnen.