Auf blauen Leihrädern durch die Region

Verkehrsverbund: In Bensheim gibt es acht Mietstationen im Stadtgebiet / Weitere Anlagen sollen folgen

Bensheim. Was in Großstädten und touristischen Hochburgen längst zum Standard gehört, soll nun auch Bensheim klimafreundlich voranbringen: Ein Verleihsystem für Fahrräder.

Die Stationen haben in den vergangenen Tagen schon für Gesprächsstoff gesorgt. Nicht allen war auf Anhieb klar, was da plötzlich an markanten Stellen im Stadtgebiet installiert wird. Erst als kurz vor der Freigabe am Donnerstag die blauen Räder das Puzzle vervollständigten, lichtete sich der Nebel.

Die Stadt schließt sich der Kooperation zwischen dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar und der Firma nextbike an, die seit März 2015 besteht. Folglich trägt das Projekt den Titel „VRNnextbike“. „Ich bin überzeugt, dass das Angebot nicht nur von den Bensheimern, sondern allen Besuchern intensiv genutzt wird“, sagte Stadtrat Adil Oyan bei der Einweihung. Er dankte den Partnern für die schnelle Umsetzung. Eigentlich wäre Bensheim erst 2017 an der Reihe gewesen.
Wie können die Fahrräder ausgeliehen werden?

Wenn man im System ist, geht es relativ unkompliziert. Das zeigten zumindest die Testläufe am Donnerstag. Einzige Hürde: Man muss sich registrieren. Das geht am einfachsten über die Homepage www.vrnnextbike.de. Eine Anmeldung ist außerdem über eine Smartphone-App, an den Stationen sowie über eine Hotline möglich. Das Ausleihen selbst funktioniert entweder über die App, besagte Hotline oder am Terminal, das Bestandteil jeder Mietstation ist. Das Fahrrad wird automatisch freigegeben, zusätzlich wird der Code für ein Zahlenschloss angezeigt und per SMS übermittelt.

Wie viele Stationen gibt es in Bensheim?

Bisher acht: Jeweils eine am Bensheimer und Auerbacher Bahnhof, am Rathaus, am Parktheater, an der Weststadthalle/Badesee, am Kronepark in Auerbach, in der unteren Fußgängerzone (Hauptstraße/Storchennest) sowie an der Wormser Straße Höhe Fachmarktzentrum. Drei weitere Stationen sollen dazukommen, dafür Bedarf es aber eines Beschlusses der Stadtverordneten. Der wird voraussichtlich im Juli gefällt, so dass dann 50 Fahrräder an elf Stationen zur Verfügung stehen. Kritik aus der Bevölkerung gab es an der Station am Storchennest, die für manche zu nah am dort verlaufenden Radweg installiert wurde.

Was bedeutet die Kooperation zwischen Verkehrsverbund und nextbike für den Kunden?

Im Verbundgebiet können die Fahrräder städteübergreifend genutzt werden. Heißt: Man leiht sich in Bensheim ein Rad, fährt nach Heidelberg, gibt es dort an einer offiziellen Station ab und reist beispielsweise mit dem Zug zurück. Neben Bensheim und Heidelberg sind bisher Mannheim, Ludwigshafen und Speyer mit im Boot. Die nächsten Kandidaten sind Worms und Weinheim.

Wie hoch sind die Mietkosten für die Fahrräder?

30 Minuten Fahrzeit kosten 1 Euro. Der Tageshöchstsatz (24 Stunden) liegt bei neun Euro. Wer eine Woche unterwegs ist, kommt auf 29 Euro. Inhaber von VRN-Halbjahres- und Jahreskarten erhalten Vergünstigungen. Beim „RadCard“-Tarif (Grundgebühr 48 Euro) sind bei jeder Fahrt die ersten 30 Minuten frei.

Wie kann man die Fahrräder zurückgeben?

Einfach an einer der Stationen in den Ständer schieben. Sobald das Rad eingerastet ist, ertönt ein Pipston. Sind alle Plätze belegt, kann man das Rad – gesichert mit dem Zahlenschloss – an der Station abstellen, muss dann aber die Rückgabe per App, am Terminal oder über die Hotline melden.

Wo kann man die Leihgebühr bezahlen?

Das System ist bargeldlos. Bei der Registrierung muss man einmalig eine Kreditkarte oder EC-Karte angeben, über die monatlich die „verfahrene“ Mietgebühr eingezogen wird.

Bensheim ist die erste hessische Stadt bei „VRNnextbike“. Sind weitere Standorte vorgesehen?

Nach Auskunft von Frieder Zappe (Team Mobilitätsdienstleistungen beim VRN) wären Heppenheim und Lorsch geeignete Kandidaten. In den Nachbarkommunen will man aber erst einmal abwarten, wie das System in Bensheim angenommen wird.

Die Fahrradvermietung gibt es für die Stadt nicht zum Nulltarif. Wie hoch sind die Kosten?

Ausgehend von elf Stationen ist Bensheim jährlich mit 29 000 Euro dabei – und zwar für die nächsten fünf Jahre. Macht unterm Strich 145 000 Euro insgesamt. Das teilte Finanzdezernent Adil Oyan mit. Das Geld soll aus dem Grubenzins genommen werden. „Der Haushalt wird dadurch nicht direkt belastet“, so Oyan. Ab 2021 soll sich das Verleihsystem idealerweise selbst tragen. So lautet zumindest die Wunschvorstellung der Verantwortlichen.

Welche Fahrräder können ausgeliehen werden?

Alles Neuanschaffungen, versichern die Verantwortlichen. In die Pedale treten kann man auf identischen Drahteseln mit sieben Gängen – angetrieben nur mit Muskelkraft. E-Bikes – wie von einigen beim Anblick der Stationen vermutet – kommen nicht zum Einsatz.

80 Stationen und 650 Fahrräder in der Metropolregion

In der Metropolregion Rhein-Neckar stehen ab diesem Sommer an 80 Stationen 650 Fahrräder in den fünf beteiligten Städten Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen, Speyer und Bensheim zur Verfügung.

Nextbike zählt bundesweit zu den Marktführern und hat zurzeit mehr als 45 Standorte in Deutschland. Weltweit sind es insgesamt über 100 Städte – unter anderem ist man in der Schweiz, Österreich, Polen, Groß-Britannien, Neuseeland und in den USA aktiv.

Gegründet wurde die Firma 2004 als regionales Unternehmen in Leipzig. Wer sich einmal registriert hat, kann weltweit ein „nextbike“ ausleihen.

In Bensheim ist man vom Konzept überzeugt und möchte künftig Kooperationspartner gewinnen, um das Stationsnetz weiter auszubauen. Eine Möglichkeit wäre das Gewerbegebiet Stubenwald, in dem sich bekanntlich einige namhafte Firmen befinden. Aber auch andere ansässige Unternehmen kämen laut Stadtrat Oyan infrage.Mit Kooperationspartner hat der VRN auf diesem Gebiet bereits Erfolg. Die Hochschule in Ludwigshafen sowie BASF und die MVV beteiligen sich am Projekt. dr

Quellenangabe: Bergsträßer Anzeiger 4.6.16
© Bergsträßer Anzeiger
Von Dirk Rosenberger

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